Online Lifestyle News Magazin

Récamiere edle Sofas in modernem Design

recamiere_01Im ursprünglichen Sinne werden alle Sofas, die keine Rückenlehne besitzen, Récamiere bezeichnet. Solche Sofas sind des Weiteren dadurch charakterisiert, dass sie an beiden Enden über gleichlange Armlehnen verfügen, die im Vergleich zu den heutigen Sofas sehr hoch sind.
In solch einer Form wurden Sofas schon in der Antike hergestellt und benutzt. Römer nahmen auf solchen Sofas Ihre Mahlzeiten liegend zu sich, weil sie sich so bequem auf eine Armlehne aufstützen und daher ihren Körper ein wenig erhöhen konnten, wahrscheinlich auch, damit sie bei den bekannten Völlereien mehr essen konnten, bevor das Sättigungsgefühl entstand.

Gleichzeitig nutzte man Récamieres auch schon im Nahen Osten, weswegen sie auch Ottomane genannt werden können. Eigentlich wich die Form des Ottomanen allerdings ein wenig von der der Récamiere ab, da Ottomanen nur an einer Seite eine Lehne hatten, damit die Füße lang über die Bank ausgestreckt werden konnten. Manche dieser Lehnen der Ottomanen wurden allerdings um die Ecke herum erweitert, sodass die Bänke eine kleine Rückenlehne am Kopf der seitlichen Lehne haben.
Aufgrund dieser Abweichungen ist es heutzutage auch nicht mehr möglich, Récamieres exakt zu definieren. Die Namen Ottomanen und Récamieres werden daher oft im gleichen Kontext gebraucht und umfassen jegliche Sofas, die nicht zwei kurze seitliche Lehnen und eine gemeinsame Rückenlehne haben. Daher werden Sofas inzwischen als Ottomanen oder Récamieres bezeichnet, wenn sie also entweder zwei Seitenlehnen, aber keine Rückenlehne, eine Seitenlehne und eine angrenzende Rückenlehne oder nur eine Seitenlehne aufweisen können.

Der Vorteil dieser weit umfassenden Definition liegt darin, dass es Designern vor allen Dingen viele neue Möglichkeiten bietet, wie sie ihr Produkt entwickeln können. Deswegen können Récamieres auch so vielfältig in den unterschiedlichsten Räumen verwendet werden, weil sie aufgrund ihrer verkleinerten oder entfernten Rückenlehne viel kleiner als Sofas wirken und daher nicht allzu viel Platz im Raum wegzunehmen scheinen.

Der Name Récamiere ist übrigens auf die französische Schriftstellerin Julie Récamiere zurückzuführen, die zu ihrer Lebenszeit um das Jahr 1810 als die schönste Frau der Welt galt. Es ist allerdings nicht ganz sicher, wie die Verbindung zwischen ihrem Namen und dem Möbelstück entstand. Da sie einen französischen Salon unterhielt, in dem gefragte Schriftsteller der Zeit einkehrten, um zu schreiben oder zu debattieren ist es möglich, dass sie dort rückenlehnenlose Sofas installierte und sich der Name daher mit der Zeit mit ihrem Familiennamen assoziierte. Andererseits ist es aber auch so, dass sie, aufgrund Ihrer Schönheit, sehr gerne von berühmten Malern gemalt wurde. Unter anderem auch von dem Maler Jacques-Luis David, welcher auch das weltberühmte und in Versailles zu besichtigende Porträt Napoleons beim Ritt über die Alpen malte. Er wiederum porträtierte Julie Récamiere auf einem oben beschriebenen Sofa ohne Lehne ab. Ob das Sofa daher seinen Namen erhielt, oder, weil Julie es in Ihrem Salon schon so heftig nutzte, ist daher unklar – beachtenswert ist nur, dass es, angefangen bei den antiken Feldherren und Kaisern, über die wichtigsten Menschen des neunzehnten Jahrhunderts bis heute immer wieder sehr wertgeschätzt wurde.

Récamieres sind besonders deswegen so vorteilhaft, weil sie aufgrund der fehlenden Seiten- beziehungsweise Rückenlehne viel kleiner wirken, als herkömmliche Sofas. Daher ist es relativ einfach und gut möglich, sie in einem Zimmer zusätzlich zu platzieren, ohne, dass sie das Zimmer klein erscheinen lassen. Es ist selbst möglich, sie frei in einen Raum zu stellen, also nicht vor eine Wand, weil sie so besonders abgerundet wirken.
Ihr größter Nutzen besteht aber darin, dass man immer eine ideale Sitz- oder Liegeposition finden kann, egal wie man sich grade positionieren möchte: Ein aufrechtes Sitzen, wie auf einem normalen Sofa ist möglich, wenn man die Seitenlehne einfach als Rückenlehne nutzt. Dabei kann man dann aber den Vorteil nutzen, dass man seine Beine einfach auf die Sitzfläche, in gleicher Höhe wie das Becken, auflegen kann und daher nicht das unangenehme Gefühl eines Blutstaus spüren muss, der auftritt, wenn die Beine auf dem Fußboden gestellt werden. Gleichzeitig kann man sich aber auch seitlich, wie die Römer auf die Récamiere legen und auf der Lehne abstützen, während natürlich auch ein flaches Liegen auf dem Rücken möglich ist, um die Seitenlehne als Kopfstütze zu nutzen.
Aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzgebiete und ihres geringen, visuellen Platzbedarfs ist eine Récamiere also sehr, sehr häufig einsetzbar.

recamiere_02Récamieres gibt es zum größten Teil aus dicken Stoff- oder Lederbezügen. Stoffbezüge können wunderbar in nicht allzu großen Wohnzimmern eingesetzt werden, während Leder Récamieres besonders edel wirken, wenn sie in Arbeitszimmern stehen. Gleichzeitig können sie aber auch eine sehr angenehme Abwechslung zum Schreibtischstuhl bieten, wenn besonders lange Texte gelesen werden müssen, und keine Schreibtischunterlage gebraucht wird, um intensive Notizen zu machen. Solche Récamieres gibt es relativ schlicht zu kaufen, wenn sie in ein kontemporäres Wohnzimmer passen sollen. Ebenso kann man sie aber auch besonders prunkvoll erlangen, sodass sie auf ihre ursprüngliche Einsatzgebiete bei antiken Herrschern oder neuzeitlichen Königen widerspiegeln.
Eine raffinierte Alternative zu Récamieres aus Stoffbezügen bieten Récamieres, die aus hölzernen Stoffen, wie beispielsweise Rattan oder Peddigrohr, geflochten sind. Wenn man auf diese eine anständige Sitzablage legt, bei den meisten Fachhändlern kann hier sogar die Farbe des Kissens problemlos variiert werden, sind sie ebenso weich, wie stoffbezogene, gefütterte Récamieres, aber nehmen unter Umständen noch weniger Platz in Anspruch, weil die Wände solcher geflochtenen Modelle nur 2mm bis 4 mm dick sein müssen, um eine Stabilität zu gewährleisten, die ein angenehmes Sitzen ermöglicht. Solche geflochtenen Stoffe schmiegen sich außerdem aufgrund ihrer wahrgenommenen Neutralität unheimlich leicht in jedes Zimmer ein. Récamieres und Ottomanen aus Polyrattan oder Kunststoffrattan können auch problemlos im Freien eingesetzt werden und bieten somit eine Herrliche Alternative zur herkömmlichen Gartenbank.

Für anständige Récamieres sollte man bereit sein, zwischen 1000 € und 3000 € auszugeben. Sie sind trotz ihrer heutigen Beliebtheit immer noch ein einzigartiges Produkt, das in langwieriger Arbeit gestopft oder geflochten werden muss. Récamieres aus Stoff sind aber generell preiswerter als geflochtene Récamieres aus Rattan. Beim Kauf kann aber sichergegangen werden, dass ein relativ einzigartiges Produkt erworben wurde, welches nicht in allzu viele Haushalten wieder zu finden ist – Récamieres sind halt immer noch Möbelstücke für kontemporäre und moderne Liebhaber.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

938

Bookmark and Share

8. Dezember 2009 | Von Jens Wertheimer | Kategorie: Wohnen


Einen Kommentar schreiben